Mythensagen, archäologische Funde und symbolische Zeichen
charakterisieren eine Landschaft. Sie widerspiegeln das
Denken der Menschen. Genauso ist es mit geographischen
Namen der Berge, Flüsse und Seen. Alteuropäische
Ortsnamen gehören zu einer faszinierenden Kultur Europas.
Ihre Erforschung bietet uns Zugang zu einem frühen Denken
und Weltverständnis. Es ist ein Kulturerbe, das wir
schrittweise wieder entdecken.
So gab und gibt es in Europa Völker, die keine indoeuropäische Sprache
überliefern, sondern alteuropäischer Herkunft sind. Zu dieser frühen Gruppe
gehören zum Beispiel die Basken, die Iberer, die Ligurer, die Etrusker, die
Kreter, die Räter, die Silurer oder die Pikten. Zudem sind zwar viele
Flussnamen Europas indoeuropäisiert, jedoch stammen sie ursprünglich aus
einer alteuropäischen Kultur. Bekannte Namen sind beispielsweise Donau, Elbe,
Rhein, Themse, Ebro oder Isar.
Nicht weniger spannend ist die Identität von Landschaft und Namen. So trägt
Irland den Namen der Landschaftsahnin Eire, hinter der die Grosse Ahnfrau
Anu/Dana steht. Die Basken verbinden Höhlen und Berge mit der Ahnfrau Mari.
Die Räter in der Alpenregion kannten eine göttliche Ahnfrau Reitia, und die
antike Provinz Norikum trägt den Namen der Landschaftsgöttin Noreia. Auch
die Stadt Genf verdankt ihren Namen der keltischen Ortsgöttin Genava. In
diesen geographischen Namen finden wir noch Relikte einer
animistisch-totemistischen Sichtweise, verbunden mit einer
Ahninnenverehrung.
Geographische Namen
sind kulturhistorisch bedeutsam:
- Sprache ist
Identität und Kultur
- Wörter
widerspiegeln Denkweisen und begreifen die Natur
- Sprache
zeigt Gemeinsamkeiten, Verwandtschaft und
verschiedene Entwicklungen auf
- Ortsnamen
weisen auf landschaftliche Veränderungen hin
- Namen
erklären genauso wie Mythensagen die Welt und
unser Dasein
- Der Ortsname
charakterisiert die Landschaft und deren
Wesenheit
- Namen sind
mehr als Schriftzug - sie sind Botschaft
- Wörter und
Ausdruck beeinflussen unsere Handlungen
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