Die klassische Erzählforschung im Bereich Mythen,
Märchen und Sagen führt zu gesellschaftlichen und
naturphilosophischen Fragen. Dies beinhaltet auch eine bis
heute fortbestehende Mensch-Natur-Beziehung. Mythen und
Sagen erklären das menschliche Dasein, die Herkunft einer
Kultur und die Identität einer Gruppe. Märchen sind
kulturübergreifend und völkerverbindend. Die Botschaft
der Erzählungen enthält vielfach ein anderes
Menschenbild und gibt Antworten im Bereich ethisches
Verhalten und kulturelle Entwicklung.
Im Kern enthalten traditionelle Überlieferungen
animistische Anschauungen sowie Mythologien einer
Ahninkultur. Das Handlungsmuster folgt dem Lebens- und
Jahreskreis. Der Jahreskreis wurde im persönlichen wie
gesellschaftlichen Rahmen gefeiert. Er bildet die
Grundlage für den Kalender, für Jahresbräuche und
Rituale. Spuren davon finden wir zum Beispiel im
keltischen Jahreskreis oder im Kirchenjahr.
Mythensagen und Zaubermärchen sind eigentlich Berichte
von jahreszeitlichen Ritualen mit einer zyklischen
Dramaturgie. Daher können sie auch immer wieder
aktualisiert werden. Sie gehören zu einem kulturellen
Erbe, das verdrängt wurde. Dennoch bereichern sie uns
persönlich und gesellschaftlich, wenn wir ihre verborgene
Welt wieder entdecken. Das Potential der Mythensagen ist
für die Landschaftsmythologie von unschätzbarem Wert.
Mythensagen sind in
vielfältigen Bereichen einsetzbar:
- Sie sind
Botschaften aus einer subkulturellen Welt
- Verweisen
auf die ältere Mythologie eines Ortes
- Erklären
Funde und Bräuche einer Landschaft
- Zeigen im
Kern eine belebte Natur und Ahnenverehrung
- Schaffen
Identität und Integration durch Rituale des
Lebens
- Erinnern
sich an magische Orte und alte Kulturen
- Verbinden
Gemeinschaften durch ähnliche Überlieferungen
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